Schicksal mich mal

Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt. Das ist nicht mein doofes Lebensmotto, das ich mir als buntes Wandtattoo an meine Küchenwand geklebt habe, sondern eine Einstellung, die ab und an auf mich zutrifft. Ich bin kein totaler Querdenker, kein kreatives Genie, dass sich gegen den gesellschaftlichen Einheitsbrei stellt. Und doch habe ich meine eigene Meinung. Die ist wie eine Heizdecke: Viele finden sie uncool, aber in Wahrheit überzeugt sie auf ganzer Linie. Nun, genug der metaphorischen Vergleiche. Beim Sich-Die-Welt-Zu-Eigen-Machen spiele ich wie gesagt manchmal mit. Und vor allem dann, wenn es "vorherbestimmte Abläufe" betrifft. Denn ich glaube nicht an das Schicksal. Oder den Zufall. Eigentlich. Ich glaube vielmehr daran, dass jeder sein Leben selbst in der Hand hat. Nicht nur, wenn er oder sie waghalsig vom Zehn-Meter-Turm springt, sondern auch dann, wenn es um wesentliche Entscheidungen, Wege und Vorkommnisse geht.

Menschen, die an den Zufall glauben (wenn man es Glaube nennen kann), sind mir ein wenig suspekt. Ich meine, 'Zu-Fall' bedeutet ja schlichtweg, dass dir die Dinge einfach so geschehen, du keinen Einfluss auf sie hast und sie dementsprechen auch nicht verdienst. So einfach. Wenn mir etwas zufällt, wie zum Beispiel ein Stück Pizza, das jemand versehentlich von einer Brücke auf mich herunterfallen lässt, dann freue ich mich natürlich im ersten Moment. Aber: Habe ich die Pizza wirklich verdient? Würde mir die Pizza nicht besser schmecken, wenn ich sie selbst gekauft hätte? Von meinem eigenen, nicht zugeflogenen Geld? Naja, wahrscheinlich nicht, denn Pizza ist immer gut. Aber es geht mir darum: Wenn allein der Zufall entscheidet, dann müsste ich theoretisch meinen Popo nie wieder bewegen. Ich hab ja eh nichts in der Hand, geschieht ja alles einfach so. Das ist ein Gefühl von Ohnmacht, was mich ziemlich abturned. Da hilft sogar der Gedanke an Pizza nicht mehr.

Und was ist mit dem Schicksal? Nun, Schicksal bedeutet ja nichts anderes, als dass alle Entwicklungen vorherbestimmt sind. Auch schon wieder so eine Schwarz-Weiß-Geschichte. Wie langweilig! Ich meine: Wer macht sich freiwillig die Mühe, allen Menschen ihren Weg vorzuzeichnen? Außer natürlich ich selbst, wenn ich für einen einzigen Sims ein pompöses Haus erstelle, nur um ihn nach den ersten fünf Spielminuten im Pool ertrinken zu lassen. Das Schicksal ist kein mieser Verräter, das Schicksal ist wenn überhaupt ein ziemlicher Langweiler. Ist ja eh alles schion gescripted.

Und hier kommt meine nicht vorhandene Lebenseinstellung ins Spiel: Wenn man sich mal hier einer Prise Zufall und mal da einem Hauch Schicksal bedient – so á la Do-it-yourself Baukastensystem fürs Leben – erhält man meiner Meinung nach eine ziemlich ansprechende Mischung. Eine Mischung aus "Das ist einfach so passiert, kann ich halt nichts für. Lustig ist es trotzdem." und "Wow, vorherbestimmt! Es musste so kommen! Ich hab es gewusst!". Je nach dem, wie geschickt man diese Mischung auf sein Leben(swerk) verteilt, desto effektiver kann man sein eigenes Glück pushen. Aber die wichtigste Zutat ist: eigener Schweiß. Also im übertragenen Sinne. Nicht Zufall, nicht Schicksal, sondern die eigene, verdammte Arbeit und Leistung zahlt sich am Ende aus. Auch wenn es mal nicht so gut läuft (Zufall!) oder man einen Fehler macht (Schicksal!), sorgt der eigene Ehrgeiz eigentlich immer für ein halbwegs vorzeigbares Ergebnis. Wie bei einem Kinderkartenkind, was stolz wie Oskar mit einem miserablen Bild nach Hause kommt. Es wird trotzdem geherzt.

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Ein Googledicht

Ich mache mir Sorgen.

Was läuft heute im Fernsehen?

Ist die Welt noch zu retten?

Ich denke also bin ich.

Mein Lieblingsladen.

Ich esse zu viel.

Was soll ich studieren?

Ich mag keine Menschen.

Mein Albtraum ist wahr geworden

Partys sind langweilig.

Mein Ego ist zu groß.

Was kommt in die Schultüte?

Und dann kam Polly.

Was tue ich gegen Obstfliegen?

Nein bitte nicht, das tut so weh Oma!

Hör auf Google.

Ich mache niemals Vorhersagen und werde das auch niemals tun.

Danke Google.

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SCHÖNES WETTER!

"SCHÖNES WETTER!" schreie ich, während ich wie ein in den Winterschlaf gefallenes Eichhörnchen aus dem Bett zu steigen versuche. "ES IST SCHÖNES WETTER!" Ich bin eine sehr gute Tatsachen-Beobachterin. Und was heißt dieser laute Freuden-Feststellungs-Ruf nun übersetzt? "SCHÖNES WETTER!" heißt so viel wie: Oh, schau an, die Sonne scheint ausnahmsweise mal in dieser doch sehr regnerischen Region/Zeit/Periode und demnach sollten wir unsere wohlgeformten Körper aus dem geschlossenen Zimmer raus auf die offene Straße bewegen. Flanieren, spazieren, genießen, Vitamin C tanken. Ich selbst sehe das Aufkommen des gelben Balls gerne als Anstoß zur Aktivität. Vor allem am Wochenende, da dies eine Zeit ist, in der ich mich teilweise so gut wie gar nicht bewege. Als Ausgleich zum bewegungsintensiven Bürojob sozusagen. "SCHÖNES WETTER, RAUSGEHEN!" rufe ich erneut. Neben mir im Bett: Ein Exemplar von Mensch, das diese unbändige Freude nicht nachvollziehen kann. Nicht im entferntesten. Somit reagiert es nicht auf mein lautes Rufen, das vielleicht auf ein wenig an Gebrüll von Pavianen erinnert. Die freuen sich bestimmt auch über die Sonne. "SONNE! DIE SONNE SCHEINT!" Immerhin poste ich es nicht auf Facebook, sondenr behellige nur die umliegenden Menschen mit meiner panischen Euphorie. Denn Panik kommt auf, weil ich mir selbst Druck mache. Druck, diesen lichten Moment voll auskosten zu wollen, da niemand genau weiß, ob nicht am nächsten Tag die Welt untergeht. Das soll sie ja laut diversen Prognosen sowieso alle paar Monate, von daher ist meine Panik durchaus berechtigt. Ich würde mich unendlich schuldig fühlen, der Sonne und dem ganzen Universum gegenüber, wenn ich jetzt nicht schnell meine Turnschuhe anziehe und raus gehe. Denn wenn ich schon mal so ein Wetterchen geliefert bekomme, wer wäre ich, es nicht reumütig anzunehmen und ihm auf Knien zu danken? Dem Grummeln neben mir nach zu urteilen, gibt es Menschen, die das anders sehen. Die Reaktion von Grummel-Bert (offizieller Name des Menschenexemplars): Nichts. Keine Euphorie. Noch nicht einmal Beachtung bekommen die Sonnenstrahlen von ihm. Und mir schießt gleich die dämonische Rache vom Sonnengott XYZ durch den Kopf, der bestimmt schon einen Plan schmiedet, wie er uns Unwürdige wegen Missachtung zum Schafott führen kann. Metaphorisch natürlich. "ES IST GUTES WETTER! WIR MÜSSEN RAUSGEHEN!" rufe ich und werde sofort via Arm-Attacke stumm geschaltet. Diesen subtilen Hinweis begreife sogar ich. Ich muss zugeben: Es ist Sonntag (SONN!), das Bett ist äußerst bequem und am Wochenende bin ich theoretisch von allen Aktivitätspflichten entbunden. Trotzdem keimt eine kleine Sonnenblume in mir, die nach draußen umgetopft werden möchte. Weil schönes Wetter ist, hatte ich das schon erwähnt? Sonne hin oder her – Grummel-Bert möchte zwar rausgehen, spürt aber keine akute Panik. Keinen Druck, sofort das Haus zu verlassen, nur weil der heiße, gelbe Ball mal "Hallöle" sagt. Ist vielleicht auch ganz okay, so eine Einstellung. In meiner Hektik hätte ich wahrscheinlich sowieso die Sonnenbrille vergessen und wäre beim Anblick des seltenen, hellen Sterns wohl erblindet. Dann drehen wir uns eben noch mal um.

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Hickhack

"Et es wie et es" lautet das erste Kölsche Grundgesetz. Falls jemand eine Übersetzung braucht: Es ist wie es ist. Schön, diese Akzeptanz der unveränderbaren Realität und das Hinnehmen eines jeden Übels. Dieser Satz zeigt mir beim Lesen jedes Mal wieder, dass ich definitiv NICHT in Köln aufgewachsen bin. Manchmal fehlt mir etwas von dieser lockeren, freimütigen und sorgenlosen Mentalität.

 

"LKHlasdjflkshrgjklglsjfgllkegjfklö!!" denke ich mir in letzter Zeit recht häufig. Falls jemand eine Übersetzung braucht: Es ist wie es ist und das ist Mist. Wenn die Dinge nicht so laufen, wie sie es sollten, dann kriechen sie mir unter die Haut. Sie nagen so lange an mir, bis ich meine scheinbare Gleichgültigkeit ablege und innerlich vor Aggression glühe. Mal mehr mal weniger stark. Besonders stark ist das Glühen beim diffusen Richtungswechsel meiner Lebenslagen. Mal hier, mal da, immer wunderbar. Da hat man gerade das Gefühl, das Steuer des kleinen Gebrauchtwagens fest in der Hand zu haben, mit dem man durch die Wege seines ach so spannenden Lebens cruist und dann schallt einem das Navi um die Ohren und zwingt einen zum Umdrehen. Mitten auf der Autobahn. Aber was soll man auch sonst machen? Schließlich gibt das Navi hier die Anweisungen. Das Navi hat die Kontrolle. Oder womöglich nicht das Gerät selbst, sondern die bösartige Seele, die darin wohnt, und mit ihrer einstellbaren Stimme die Richtung angibt.

 

Mehr Metaphorik kann ich gerade nicht, also lieber schön straight: Mich nervt es, wenn Dinge klar zu sein scheinen und dann wieder ins Unklare gezogen werden. Wenn Anweisungen einen erst nach links und dann nach rechts leiten. Da fühlt sich mein innerer Kompass ziemlich verstört. Schon wieder in die Metaphorik abgerutscht. So ein Mist.

 

Was also tun, wenn der eine "Hüh!" und der andere "Hott!" sagt? Beides machen? Nichts machen? Auf jeden Fall das Falsche machen? In einer Welt, in der ziemlich viele widersprüchliche Erwartungen auf einen einprasseln und man tagtäglich den unterschiedlichsten Ansprüchen gerecht werden muss, fällt es schwer, das Navi stummzuschalten und mal auf die eigene bösartige Stimme zu hören. Obwohl sie vielleicht noch nicht so reif, weise, erfahren und weitere schöne Adjektive ist, so hat sie auh ihre Berechtigung. Und liegt damit manchmal gar nicht so falsch. Also: Keep calm and avoid hickhack. Mach' lieber 'nen Flickflack (Mit dem Reimen sollte ich es wohl auch besser lassen).

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