Hallo, ich bin eine Oma.

Zuerst ist klarzustellen, dass ich weder sehr alt bin, noch Kinder oder Enkelkinder habe. Ich bin dennoch eine Oma. Der Grund? Mein Granny-Lifestyle. Während andere sich auf ein alkoholgetränktes Partywochenende freuen, stricke ich lieber ein neues Paar Wollsocken. Okay, ich stricke nicht. Aber so fühlt es sich manchmal an.

 

Ich habe schon vor einigen Jahren gemerkt, dass ich zur Oma mutiere. Weniger ausrasten, mehr einrasten. Weniger Action, mehr Plätzchen. Weniger Lärm, mehr Wärme. Es mag jetzt vielleicht den Anschein haben, als würde ich diesen Lifestyle abschätzig betrachten. Das tue ich aber nicht. Ich fühle mich immer noch jung und agil, bin für Abenteuer zu haben und hatte noch keinen Bandscheibenvorfall. Allerdings hat sich eines geändert: Meine Angst, etwas zu verpassen, ist verschwunden. Ob das etwas mit meinem Alter zu tun hat oder eine Nebenwirkung von irgendetwas anderem ist, kann ich nicht genau sagen. Ich weiß nur, dass ich früher immer dachte: "Hey, du musst feiern, du musst coole Dinge erleben, du musst immer am Nabel der Zeit sein". Natürlich möchte ich immer noch coole Dinge erleben. Nur der Zwang ist verschwunden. Vor einigen Jahren noch war es für mich unvorstellbar, mal NICHT auf einer Feier, Veranstaltung oder einem Saufgelage dabei zu sein. Schließlich wollte ich mitreden können, in sein. Die Motivation, um etwas zu erleben, war eine andere, als sie jetzt ist. Mittlerweile will ich einfach das tun, worauf ich wirklich Lust habe. Und wenn ich Lust habe ein ganzes Wochenende lang in meiner Wohnung zu sitzen und Netflix zu schauen, dann werde ich das tun. Ich werde Verabredungne nicht eingehen, weil ich denke, ich müsste es tun. Ich werde Verabredungen eingehen, weil ich Lust habe, mich mit diesen Personen zu treffen.

 

In meinen Augen bin ich eine Oma. Weil viele andere mit 24 immer noch jedes Wochenende nach der perfekten Gelegenheit suchen, ihr Sozialleben mit weiteren Auszeichnungen zu versehen, von denen sie denken, dass sie erstrebenswert sind. Ich bin gerne diese Sorte von Oma. Die Granny-Mentalität lässt mich Dinge entspannter sehen. Zu viel Granny ist natürlich genauso wenig gut, wie zu viel Partyanimal oder Streberling. Eine Prise Granny kann aber Jedem etwas gutes bringen. Alternativ tut es auch eine Prise Grandpa.

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Kommentare: 2
  • #1

    Lexa (Sonntag, 12 Februar 2017 15:06)

    Wahre Worte. Granny sein macht einen gelassener und lässt die Abende, an denen man dann wirklich mal weg geht und wieder jung ist noch viel besser erscheinen. :)
    LG Lexa

  • #2

    bknicole (Montag, 06 März 2017 14:19)

    Dann bin ich aber auch eine Granny, denn ich bin auch keine Partyqueen und habe diese Zeit hinter mir. Alkohol kann ich aufgrund von Lebensmittelallergien eh nicht mehr trinken, vermisse den aber auch nicht. Wenn ich das dann anderen erzähle, ist die Reaktion immer so, als wäre dass das schlimmste auf der Welt. Für mich aber nicht, ich kann auch so Spaß haben und brauche das nicht. Ist zudem ja auch wesentlich gesünder.

    Ansonsten verbringe ich meine Wochenenden lieber mit einem guten Film, meiner Lieblingsserie oder gehe mit Freunden einen Kaffee trinken, lecker essen, wir veranstalten Spieleabende oder schauen gemeinsam Dvds. Bin einfach mehr der Fan von geselligen Runden, wo man sich in Ruhe unterhalten kann, als von einer durchzechten Nacht in der Dikothek. In meiner Jugend war das auch anders, da hatte ich auch das Gefühl, etwass zu verpassen wenn ich nicht auf eine Feier durfte und war ansonsten auch überall mit dabei. Heute mit 24 habe ich das auch nicht mehr.