Nichts ist schon ganz schön viel.

Ich bin mit einem ganz besonderen Talent gesegnet: Ich kann mir über scheinbare Nichtigkeiten die ausschweifensten Gedanken machen. Und das meine ich nicht wirklich positiv: Passiert mir etwas, mach ich einen Fehler oder ist sonst etwas Negatives vorgefallen, kann ich mich gedanklich sehr gut in das Geschehene reinsteigern. Oftmals hat das, über das ich mir Gedanken mache, beinahe keine Auswirkungen auf mich, meine Arbeit oder mein Leben. Und doch: Ich schaffe es, mich stunden- oder auch tagelang mit dem Thema auseinanderzusetzen. Ich analysiere, ich überlege, ich blicke zurück, ich schäme mich, ich bereue. Distanzieren kann ich mich nicht, dazu fehlt es mir an Reife. Oder an Selbstreflektion? Oder vielleicht auch an Gleichgültigkeit. Denn der Drang, alles richtig machen zu wollen und von jedem im besten Licht gesehen zu werden, zieht sich durch mein Leben. Notwendig? Wohl kaum. "Man kann es nicht allen recht machen" ist einer von vielen Sprüchen, die ich mir sage, die aber doch nichts bewirken. Ich weiß: Fehler zu machen, Dinge nicht beim ersten Mal richtig anzupacken und einfach mal ins Fettnäpfchen treten, ist vollkommen normal. Wäre ja gruselig, wenn es nicht so wäre. Wenn mal etwas nicht so super läuft, sollte man das Beste daraus machen, aus den (vermeintlichen) Fehlern lernen und sich weiterentwickeln. Wieso also fällt es mir so schwer, das einfach zu akzeptieren und weiterzumachen? Wieso hänge ich an diesen kurzen, kleinen Momenten, die Zweifel in mir an mir hervorrufen? Ich kann mich nicht selbst durchdringen in diesem Fall. Ich kann nur vermuten. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich es gerne allen recht mache. Und wenn ich das mal nicht schaffe, verletzt mich das sehr. Dann bin ich von mir selbst enttäuscht und kann mir nur schwer vergeben. Ich ärgere mich gern über mich selbst. Zumindest scheint es so. Jetzt ist es an mir Strategien zu entwickeln, mit denen ich durch solche Situationen steuern kann. Relativieren und reflektieren hilft, ungefragt dessen, ob es eine nützliche Sache ist, die mich tatsächlich weiterbringt.

  • Was ist geschehen?
  • Welche Konsequenzen hatte das Ganze?
  • Wirkt es sich negativ aus? Wenn ja: worauf?
  • Welche weiteren Schritte muss ich deswegen gehen?
  • Was kann ich für mich aus der Sache mitnehmen?

Wenn ich all diese Fragen beatnwortet habe, bin ich meist beruhigter und an dem Punkt, der mir klar macht: War doch gar nicht so schlimm, oder? Bis ich an diesem Punkt bin, ist es allerdings ein längerer Prozess. Doch der erste Schritt zu mehr Mut zum "Scheitern" und mehr Standing in Konfliktsituationen ist; Erkennen, was nicht optimal läuft und Strategien entwickeln, um diese Dinge zu verbessern. Diesen Weg gehe ich jetzt.

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