SCHÖNES WETTER!

"SCHÖNES WETTER!" schreie ich, während ich wie ein in den Winterschlaf gefallenes Eichhörnchen aus dem Bett zu steigen versuche. "ES IST SCHÖNES WETTER!" Ich bin eine sehr gute Tatsachen-Beobachterin. Und was heißt dieser laute Freuden-Feststellungs-Ruf nun übersetzt? "SCHÖNES WETTER!" heißt so viel wie: Oh, schau an, die Sonne scheint ausnahmsweise mal in dieser doch sehr regnerischen Region/Zeit/Periode und demnach sollten wir unsere wohlgeformten Körper aus dem geschlossenen Zimmer raus auf die offene Straße bewegen. Flanieren, spazieren, genießen, Vitamin C tanken. Ich selbst sehe das Aufkommen des gelben Balls gerne als Anstoß zur Aktivität. Vor allem am Wochenende, da dies eine Zeit ist, in der ich mich teilweise so gut wie gar nicht bewege. Als Ausgleich zum bewegungsintensiven Bürojob sozusagen. "SCHÖNES WETTER, RAUSGEHEN!" rufe ich erneut. Neben mir im Bett: Ein Exemplar von Mensch, das diese unbändige Freude nicht nachvollziehen kann. Nicht im entferntesten. Somit reagiert es nicht auf mein lautes Rufen, das vielleicht auf ein wenig an Gebrüll von Pavianen erinnert. Die freuen sich bestimmt auch über die Sonne. "SONNE! DIE SONNE SCHEINT!" Immerhin poste ich es nicht auf Facebook, sondenr behellige nur die umliegenden Menschen mit meiner panischen Euphorie. Denn Panik kommt auf, weil ich mir selbst Druck mache. Druck, diesen lichten Moment voll auskosten zu wollen, da niemand genau weiß, ob nicht am nächsten Tag die Welt untergeht. Das soll sie ja laut diversen Prognosen sowieso alle paar Monate, von daher ist meine Panik durchaus berechtigt. Ich würde mich unendlich schuldig fühlen, der Sonne und dem ganzen Universum gegenüber, wenn ich jetzt nicht schnell meine Turnschuhe anziehe und raus gehe. Denn wenn ich schon mal so ein Wetterchen geliefert bekomme, wer wäre ich, es nicht reumütig anzunehmen und ihm auf Knien zu danken? Dem Grummeln neben mir nach zu urteilen, gibt es Menschen, die das anders sehen. Die Reaktion von Grummel-Bert (offizieller Name des Menschenexemplars): Nichts. Keine Euphorie. Noch nicht einmal Beachtung bekommen die Sonnenstrahlen von ihm. Und mir schießt gleich die dämonische Rache vom Sonnengott XYZ durch den Kopf, der bestimmt schon einen Plan schmiedet, wie er uns Unwürdige wegen Missachtung zum Schafott führen kann. Metaphorisch natürlich. "ES IST GUTES WETTER! WIR MÜSSEN RAUSGEHEN!" rufe ich und werde sofort via Arm-Attacke stumm geschaltet. Diesen subtilen Hinweis begreife sogar ich. Ich muss zugeben: Es ist Sonntag (SONN!), das Bett ist äußerst bequem und am Wochenende bin ich theoretisch von allen Aktivitätspflichten entbunden. Trotzdem keimt eine kleine Sonnenblume in mir, die nach draußen umgetopft werden möchte. Weil schönes Wetter ist, hatte ich das schon erwähnt? Sonne hin oder her – Grummel-Bert möchte zwar rausgehen, spürt aber keine akute Panik. Keinen Druck, sofort das Haus zu verlassen, nur weil der heiße, gelbe Ball mal "Hallöle" sagt. Ist vielleicht auch ganz okay, so eine Einstellung. In meiner Hektik hätte ich wahrscheinlich sowieso die Sonnenbrille vergessen und wäre beim Anblick des seltenen, hellen Sterns wohl erblindet. Dann drehen wir uns eben noch mal um.

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Kommentare: 1
  • #1

    Mareike (Mittwoch, 31 Januar 2018 19:25)

    Schöne, sonnige Gedanken!�