Plan Me, Baby!

Ich muss mich outen: Ich bin kein wildes Hippie-Gewächs, das von heute auf morgen in den Bully steigt und zu einer Wanderung durch Peru aufbricht. Ich bin kein fetziger Großstadtjunkie, der sich von einem Freelance-Job zum nächsten hangelt, weil das ein "edgy" und "fancy" Leben ist. Ich bin auch niemand, der bis kurz vor knapp bei Einladungen weder zu- noch absagt, um sich so alle Türen offen zu halten. Und jetzt kommt's, mein Outing in einem Satz: Ich liebe Pläne. Ich genieße es, die Dinge im vorhinein zu planen und mich dann auch an meinen Plänen zu orientieren. Doch wieso bedarf es hier ein Outing? Nun ja, weil ich mir diese Tatsache lange Zeit nicht eingestehen wollte und sie gar als charakterliches Manko angesehen habe.

 

Lange bin ich davon ausgegangen, nur Spontaneität sei cool. Die Menschen, die sich nicht festlegen, sind diejenigen, die frei fliegen. Wie kleine Rotkehlchen fröhlich jauchzend durchs Leben flattern. Und das kann auch gut sein: Wer ungern plant und trotzdem klar kommt, mal hier und mal da am Start ist, der sollte das auch genau so weitermachen. Das bewundere ich natürlich auf eine Art und Weise. "Mach dich mal ein bisschen locker" hat zum Glück noch niemand zu mir gesagt, aber dennoch komme bzw. kam ich mir etwas unlocker vor. Doch gerade die Tatsache, dass Struktur für mich eher Freund als Feind ist und ich eine gewisse Routine zu schätzen weiß, hilft mir weiter. Nicht nur in meinem Alltag, den ich dank meiner Organisationsskills (meist) geschickt vorausplanen und meistern kann. Sondern auch im Job, denn Dinge zu planen und zu koordinieren ist in vielen Bereichen eine gefragte Tätigkeit. Und zwar nicht 24/7, sondern eher so nebenbei. Es wird quasi vorausgesetzt, die Zügel in der Hand zu haben und sie auch dort halten zu können. Auch hier gilt: nicht in jeder Branche oder in jedem Job. Aber wenn ich so auf meinen beruflichen Weg zurückblicke, würde ich Organisationstalent als eine Qualität meinerseits ansehen, die ich vorher nie wirklich als solche ausgemacht habe.

 

Eines muss ich an dieser Stelle aber festhalten: Ich bin kein verkopfter Excel-Listen-Für-Alles-Führer, sondern kann auch durchaus spontan sein – nur eben in einem vorgegebenen Rahmen. Okay, das klingt lahm. Und ich gebe zu: Ich muss ab und an tatsächlich lernen, mal locker zu sein und loszulassen. Mal mit dem Flow zu schwimmen. Denn – logisch – man kann nicht alles planen. Ich kann nicht alles planen. Sollte ich das anstreben, wäre ich schnell ziemlich unglücklich. Wäre das jetzt ein drittklassiger Backblog, würde das Rezept für mein Glück wohl lauten: Eine ordentliche Portion Planung, gemischt mit einer Tasse unerwarteter Ereignisse, die sich Leben nennen, vollendet mit einem Esslöffel Spontaneität. Auf 39857 Grad im Ofen backen und hoffen, das etwas Gutes dabei rauskommt!

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