Als wie, wie als, als ob?!

Vergleich, der (Substantiv, maskulin) – sprachlicher Ausdruck, bei dem etwas mit etwas aus einem anderen (gegenständlichen) Bereich im Hinblick auf ein beiden Gemeinsames in Beziehung gesetzt und dadurch eindringlich veranschaulicht wird (z. B. Haare schwarz wie Ebenholz) (Quelle: Duden.de)

 

Sprache kann nerven. Dinge, die wir durch Sprache ausdrücken, können sich im Tatsächlichen manifestieren, ohne dass sie in der Realität existieren. Ich denke also bin ich. Ich vergleiche also bin ich? Denn die netten Sätze, die wir mit "wie" oder auch "als" formen (An dieser Stelle würde ich gerne meine Mama grüßen, die "wie" und "als" permanent vertauscht oder gleich doppelt verwendet und mir aufs Dach steigt, wenn ich sie korrigere. Daher korrigiere ich sie immer), können uns ganz schön in die Irre führen. Und mit "uns" meine ich mich.

 

Sehen wir die Welt mal durch eine rosarote Glitzer-Brille: Jeder Mensch ist einzigartig, hat einzigartige Talente, einzigartige Fähigkeiten oder ist einzigartig, weil er eben keine Einzigartigkeit besitzt. So viel zur Theorie. In der Praxis wird diese universelle Einzigartigkeit und die dementsprechende Individualität der vielen Menschen auf dieser Weltkugel oftmals durch Vergleiche zunichte gemacht. Oder kommt es nur mir so vor? In meinen 25 Lebensjahren habe ich zwei Dinge gelernt. Erstens: Vergleiche sind in der Gedichtsanalyse fast immer eine der richtige Antworten. Zweitens: Vergleiche sind in der Realität oft wie gemeine Schulkinder, die dir beim Vorbeigehen in die Seite boxen. Mit ihrem Ellenbogen. Autsch.

 

Vergleiche tun weh. Wenn ich nach links und rechts schaue, sehe ich oft keine Einzigartigkeit, sondern Superlative. Ich erheben Vergleiche nicht als Stilmittel, sondern um mich (unterbewusst) selbst zu geißeln. Hans ist erfolgreicher, Holger ist schlauer, Hanna ist schöner, Hildegard ist bedeutender als ich. Man ersetze die H-Namen durch beliebige Personen aus dem eigenen Umfeld. Dabei ist mein Vergleich aka Downvoting meiner Person vollkommen subjektiv und nicht mit tatsächlichen Belegen verknüpft. Hans hat mir nicht seinen Lebenslauf unter die Nase gehalten, Holger hat vor mir keinen IQ-Test abgelegt, Schönheit liegt sowieso im Auge des Betrachters und Hildegard heißt noch nicht mal jemand, den ich kenne!

 

Aber: Ich vergleiche mich oft. Tue ich es gern? Vielleicht schon, immerhin tue ich es oft. Mein Unterbewusstsein steht anscheinend darauf, sich mit anderen Individuen zu messen – und dabei den Kürzeren zu ziehen. Dabei sage ich ihm immer: "Du bist erfolgreich. Du bist schlau. Du bist schön. Du bist Hildegard. Lass dich nicht beeinflussen." Doch der Fluss fließt. Und ich kann ihn nur stoppen, in dem ich mich ins fließende Wasser stelle und einen Damm baue. Einen Damm aus Selbstbewusststein, realen Ansprüchen, unterschiedlichen Meinungen und die Wertschätzung dieser. Einen Damm, der für Einzigartigkeit steht. Denn Vergleiche, die nur Negatives in den Menschen auslösen, würden bei einer Gedichtsanalyse nicht gut weg kommen.

 

Vergleiche sollten uns aufzeigen, dass Dinge anders sind, anders sein können, aber deben vollkommen wertfrei. Jemand scheint begabter als ich? So what! Meine Talente sind nicht weniger wert, nur weil ein anderer 340 Orangen aufeinander stapeln kann. Jemand wirkt schlauer als ich? Ich habe es geschafft, im Job als Technik-Genie zu gelten, obwohl ich alle Computer "PC" nenne. Das muss mir erstmal einer nachmachen! Ich finde jemanden schön? Das bedeutet nicht im gleichen Atemzug, dass meine Schönheit nicht existiert. Alles kann schön sein. Selbst Plastiktüten im Wind. Und ein bisschen Hildegard steckt auch in jedem von uns.

 

Also: Weniger vergleichen, mehr wertschätzen. Weniger "wie", mehr Einzigartigkeit. Weniger "als", mehr Selbstbewusstsein. Nur meine Mama, die darf noch vergleichen. Sie muss immerhin noch lernen, wann sie "wie" und wann sie "als" benutzen muss (Kleiner Tipp, Mama: Es gibt da so eine allwissende Quelle namens Internet. Hab ich gehört).

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